Altartuch von Katharina Krenkel in der Peterskirche

Die Tailfinger Peterskirche lädt ein zum Innehalten am Wasser.

Die Tailfinger Peterskirche lädt ein zum Innehalten am Wasser

Im Rahmen der Sommeraktion „Kunstmuseum Albstadt offshore“ ist das Altartuch „Wasser“ der Künstlerin Katharina Krenkel schmiechaaufwärts von Truchtelfingen jetzt nach Albstadt-Tailfingen gekommen. Das große Tuch wandert seit 10 Jahren von Kirche zu Kirche. Es nimmt am Gemeindeleben teil, wenn gesungen, gefeiert, gebetet und Gott gedankt wird. Die Künstlerin schreibt: „Wasser in all seinen Temperamenten … schwappt lebendig und plastisch vom Altar herab in den Kirchenraum, fließt und brodelt – Wasser in allen erdenklichen Erscheinungsformen. Rein und erfrischend, aber auch schmutzig, wild und gefährlich. … Nach jedem Kirchenaufenthalt kommt das Altartuch in mein Atelier zurück und wird weiter ‚behäkelt‘. So ist bei jedem Kirchenaufenthalt anderes Wasser zu sehen.“ Mittlerweile ist das Tuch fast 7 Meter groß.
Seit Beginn der Corona-Krise ist die Tailfinger Peterskirche täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Zum Innenhalten. Zum Stillesein. Zum Beten. Zum Bedenken des eigenen Lebens. In dieser Woche bietet sich die besondere Möglichkeit, das Kunstwerk von Katharina Krenkel in aller Ruhe zu bestaunen. Und vielleicht auch das eigene Leben in Beziehung zu diesem Tuch zu setzen. Sich selbst im Tuch entdecken, mit erfreulichen und beschwerlichen Erlebnissen.

Wie aus einem Quelltopf fließt das Wasser in Form des gehäkelten Tuches vom Altar in den Kirchenraum Richtung Taufstein. Seit über 1200 Jahre werden in der Tailfinger Peterskirche Menschen getauft. Der Kirchturm kündet von dieser alten Zeit. Das Kirchschiff wurde immer wieder grundlegend umgebaut und den aktuellen Bedürfnissen angepasst. Zuletzt 1962. Der einstige Taufstein aus Gips hatte den Umbau nicht überstanden. Da der neue Taufstein zur Kirchenwiedereinweihung nicht fertig war, wurde ein Provisorium aus Holz und Papier für Taufen verwendet. Und dann kam dieser Taufstein, aus dem gleichen Marmor geschaffen wie Altar und Kanzelsockel.

Und jetzt fließt das Wasser vom Marmoraltar zum Marmortaufstein. Blau für das lebendige Wasser, frisches Grün das am Wasser gedeiht. Aber auch die braunen Teile, Steine, Eintrübungen, die das Leben auch prägen, gehöre mit dazu. Das Malen mit Wolle ermöglicht Katharina Krenkel plastische Darstellungen, im Überfließen vom Altar herunter kann ein Wasserfall gesehen werden, Strudel können für Turbulenzen im Leben stehen. Farbenfroh und lebensbejahend leuchtet es in verschiedensten Blau- und Grüntönen, doch sind auch braune Flecken, die verschmutztes Wasser und damit auch Gefahr symbolisieren, darin zu entdecken. Die Künstlerin lässt bei Erweiterungen von Kirche zu Kirche ihre Erlebnisse mit "einfließen". So wird es immer länger, bis "es eines Tages zur Kirchentür hinausschwappt", so Katharina Krenkel.

Bis Samstagabend, 18. Juli 2020 von 9 bis 18 Uhr regt das Tuch in der Tailfinger Peterskirche, Petrusstraße 17, jeden Tag zum Bestaunen und zum Bewundern an. Dann wird es von der Künstlerin abgeholt. Am Sonntag, den 19. Juli 2020 bereichert es den Gottesdienst mit Taufe in der Tailfinger Pauluskirche; Pfeffinger Straße 1,  um 10.30 Uhr. Im Gottesdienst wird die Künstlerin selbst von Ihrem Tuch erzählen und im Anschluss an den Gottesdienst für Fragen zur Verfügung stehen.

Gottfried Engele

 

Foto: Jonathan Engele